Schildkröten

23.05.2020

Schildkröten

Am 23. Mai 2020 war im Zoo Dortmund geplant, einen Schildkröten-Tag durchzuführen. Der Zoo hat inzwischen zwar schon wieder mit Einschränkungen geöffnet, aber größere Veranstaltungen, wie Tiertage, entfallen vorerst noch im Zoo Dortmund. Als Ersatz möchten wir hier einige Informationen zu den Schildkröten geben, die im Zoo Dortmund zu sehen sind.

Die Schildkröten (Testudinata) sind eine Ordnung der Sauropsida und erschienen erstmals vor mehr als 220 Millionen Jahren. In der klassischen Systematik werden sie zu den Kriechtieren bzw. Reptilien gezählt. Man unterscheidet derzeit 341 Arten mit über 200 Unterarten. Schildkröten sind wechselwarme, eierlegende Kriechtiere.

Für Schildkröten stellt der Panzer zweifellos das anatomisch entscheidende Charakteristikum dar. Kein anderes Wirbeltier zeigt eine vergleichbare Anatomie. Der Panzer der Schildkröten, der sich aus dem Rückenpanzer (Carapax) und Bauchpanzer (Plastron) zusammensetzt, umschließt alle wichtigen Organe und Körperregionen.

Schildkröten sehen sehr gut. Sie können Farben besser differenzieren als Menschen, da ihre Augen wie bei allen Reptilien vier verschiedene Farbrezeptoren aufweisen. Sie sind dadurch in der Lage, auch Teile der nahen Infrarot- und Ultraviolett-Strahlung wahrzunehmen. Grautöne hingegen scheinen sie weniger zu differenzieren.

Schildkröten können ein sehr hohes Alter erreichen.

Junge Schildkröte beim Schlupf (Bild: Simone Karlowski)

Schildkröten im Zoo Dortmund

Salvins Kreuzbrustschildkröte (Staurotypus salvinii)

Der Name dieser Schildkrötenart leitet sich von ihrem kleinen sternförmigen Bauchpanzer ab. Dank eines Scharniers ist dieser Bauchpanzer auch beweglich. Am Oberkieferrand besitzen sie einen Haken, mit dem sie ihre Beutetiere, z. B. Regenwürmer, Fische und Amphibien festhalten können. Als eher dämmerungs- und nachtaktive Tiere bewohnen sie schlammige Gewässer. Die Scharnierschildkröte war 2018 Zootier des Jahres. Auf der Roten Liste gefährdeter Arten der Weltnaturschutzunion (IUCN) wird die Art als „potenziell gefährdet“ (NT) geführt.

Im Zoo Dortmund schlüpfte am 08. April 2020 erstmals eine Salvins Kreuzbrustschildkröte. Die weibliche Schildkröte namens Wilma hatte am 27. Oktober vier Eier gelegt, aus denen nach Unterbringung im Inkubator später schließlich ein Jungtier schlüpfte. Bis die junge Schildkröte sich aus dem Ei befreit hatte, dauerte es etwa einen Tag.

Spornschildkröte im Zoo Dortmund (Bild: Wolf Malkusch)

Spornschildkröte (Centrochelys sulcata)

Spornschildkröten gehören nach den Galapagos- sowie Seychellenriesenschildkröten zu den größten Landschildkröten. Die Jungtiere haben allerdings beim Schlupf nur eine Rückenpanzerlänge von 4 – 5 cm. Namensgebend für diese Tierart sind zwei große Sporne an den Oberschenkeln der Hinterbeine. Spornschildkröten bewohnen Savannen, Buschland und Halbwüsten im nördlichen Afrika und ernähren sich von der dortigen kargen Pflanzenwelt.

Die Spornschildkröte gilt als gefährdet, weil ihre Bestände in einigen Ländern durch Lebensraumverlust (Überweidung, Desertifikation [fortschreitende Wüstenbildung], Zersiedelung) und Fang für den internationalen Handel stark reduziert worden sind.



Junge Waldschildkröte im Amazonashaus (Bild: Wolf Malkusch)

Waldschildkröte (Geochelone denticulata)

Als typischer Bewohner des Regenwaldes meidet die Waldschildkröte offene Landschaften. Außerhalb der Regenzeit ruhen die Tiere über Tage hinweg perfekt getarnt im Boden. Die Nahrung besteht aus Blättern, Gras, Pilzen und Fallobst. Diesen Speiseplan ergänzt das gepanzerte Reptil mit Insekten, Aas und anderen kleinen und langsamen Tieren.

Nach einer nicht mehr aktuellen Beurteilung aus dem Jahr 1996 gilt die Art als gefährdet.

Gefährdungssituation und Artenschutz

Fressfeinde variieren sehr nach Art und Alter der Schildkröte. Während Gelege und Schlüpflinge selbst Krabben und Vögeln zum Opfer fallen, haben ausgewachsene Tiere nur noch wenige natürliche Feinde. Zu den Fressfeinden von Eiern und erwachsenen Schildkröten zählt aber auch der Mensch. Ebenfalls durch intensive menschliche Nachstellung ausgerottet oder nahezu ausgerottet wurden die Riesenschildkröten auf den Inselgruppen im Indischen und Pazifischen Ozean. Aber auch viele andere Schildkrötenarten gelten als Delikatesse und werden vom Menschen intensiv bejagt.

Ein wichtiger Schritt zum Schildkrötenschutz, wie auch der anderer bedrohter Arten, war 1975 das Inkrafttreten des Washingtoner Artenschutzabkommens CITES, dem inzwischen weltweit fast alle Staaten beigetreten sind.

Weitere Informationen zum Thema Schildkröten unter Peter Dollingers Zootier-Lexikon .

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